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Pressestimmen
Christian Ruck und Karin Gschiel führen durch die Windungen des Gehirns, des Stücks, der Location
"Remember tser0" der Theatergruppe t'eig im Grazer Ska
In den Erinnerungen des Orest
Die Orestie in ungewöhnlicher Form zeigen Regisseur Thomas Sobotka und sein Theater t'eig im Grazer Ska in der Grabenstraße 8: Die Akteure entführen auf eine Reise durch das Lokal, durch die Windungen eines verletzten Gehirns und gleich noch durch die griechische Mythologie. Höchst spannend und unterhaltsam.
Sobotka und seine Dramaturgin Alexandra Rollett haben mit "Remember tser0" (Vifzacks erkennen den verkehrt geschriebenen Orest sofort) eine komplexe, ineinander verschachtelte Szenenfolge geschaffen, die sich gegen Ende mehr und mehr auflöst, bis dahin aber wunderbar die Spannung hält. Sie erzählt die Geschichte eines Mannes ganz ohne Gedächtnis, der auf den Spuren des antiken (Anti-)Helden Orest wandelt.
Quer durch die verschiedenen Genres ist dieses blutige Spiel angelegt, das nicht nur in menschliche Abgründe führt, sondern auch durch die verschachtelten Räume des Ska. Krimi wird hier ebenso bedient wie die griechische Tragödie - alles wild durcheinander gemischt.
Karin Gschiel und Christian Ruck spielen sich in rasantem Wechsel durch alle Rollen, nehmen's auch mit dem Geschlecht nicht immer ganz genau und sorgen so neben konstanter Spannung auch für jede Menge Humor. Ein kluger, witziger und temporeicher Abend, der dem Publikum ebenso viel bietet wie er von ihm fordert. Äußerst sehenswert!
(Kronen Zeitung)
THEATER IN DER DISCO
Von der Mythologie
zu ewiger Amnesie
GRAZ. In Herrscherhäusern spielte er sich immer wieder ab, Freuds Psychoanalyse ist davon inspiriert, Regisseur Thomas Sobotka und Dramaturgin Alexandra Rollett holen den Krimistoff aus den Gewölben der Seele in die Keller-Disco SKA: Der Tantalidenfluch, die Erbsünde des griechischen Götterfrevlers, hängt in der „t’eig-Produktion“ als Damoklesschwert über den Handlungssträngen.
Uniform typisiert schlüpft das fantastische Duo Karin Gschiel und Christian Ruck in die Rolle eines an Amnesie leidenden Mannes, wechselt vom Muttermordthriller zur Mythologie, von Gehirnlektionen zu Slapsticks und reizt bei der Odyssee durchs Tanzlokal Spielvarianten menschlichen Schicksals aus. „Remember tserO – message to a future me“ (tserO=Orest) klingt zwar abschreckend hochgeschraubt. Doch die zwei Schauspielmagier fesseln mit locker hintergründigem Spiel. Absolut sehenswert!
(Kleine Zeitung)
Achtung, fertig: Schießen wir los!
Showdown im SKA: Thomas Sobotka hat sein Stück für den legendären Club maßgeschneidert:
Theater t'eig seziert in seiner neuen Arbeit ganz undramatisch den Augenblick.
Man war nach dem Abend mit dem theater t'eig ("Remember tser0") unweigerlich versucht, Phantom Ghosts feines Lied "Thrown out of drama school" zu summen. Nicht nur wegen der im Titel zum Ausdruck kommenden Anglophilie, sondern weil die Gruppe vor einiger Zeit beschlossen hatte, herkömmliche Theaterkontexte ("Stadttheater") einzutauschen gegen durchaus offenere Arbeitsformen der "freien Szene". Die Produktion ist extrem ortsspezifisch gedacht und hat mit klassisch dramatischem Theater nur ganz wenig am Hut.
Sobotka hat "Remember tser0" dem SKA, dem legendärsten Grazer Club der Achtziger, auf den Raum geschrieben - Jogging High, Boy-George-Make-up und Cure-Soundtrack inklusive. Den formalen Rahmen für die in wilder Schichtung aufeinander folgenden Szenen gibt ein Stationendrama für zwei Schauspieler (Karin Gschiel, Christian Ruck) durch die versifften Clubräume ab, erzählt wird dabei die Geschichte eines Mannes/ einer Frau ohne Eigenschaften und Erinnerung. Die Orestie, der Tantalidenfluch spielen darin eine Rolle, die Auswirkungen von schusswaffenindizierten Schädel-Hirn-Traumata auf die Gedächtnisleistung, aber auch Gangsterpärchen-Konstellationen, wie man sie aus dem Film noir kennt. Am ehesten lesbar ist der ziemlich trashige [...] Gender-Bender-Abend mit rasanten Kostümwechseln als kleine Rache Sobotkas an Historisierungen und Mythenbildungen jeder Art. "Das Einzige, was zählt, ist der Augenblick", heißt es gegen Ende fast programmatisch. Dabei war's damals im SKA gar nicht so schlimm!
(Falter)
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