Groteske im Möbelstudio
Genial: Wolfi Bauers irres Menschenspiel.
Böse, wenn Gott zuletzt den Marabu, die aasfressende Müllabfuhr, zu den Menschen ins Hotel schickt. Viele schräge Momente liefern die Luft zum Lachen in Wolfgang Bauers dunkler Midlife-Groteske [exquisit ausgestattet von Markus Boxler] „Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?“. Womit Paul Gauguins Meisterwerk ins Visier rückt. Denn der Südsee-Liebhaber und der widerborstige Grazer Autor stellen auf Leinwand und Papier ähnliche Fragen nach Sinn und Wesen des Seins.
Es wäre nicht das Theater t’eig, würde die Lebenstristesse unbemerkt nebeneinander agierender Menschen von Thomas Sobotka auch trüb umgesetzt. Christian Ruck als Dichter-Liebchen „Isabella“ neben Karin Gschiels testosterongesteuertem „Tristan“ ist ebenso ein Schrei wie „Grapschi-Babschi“ Sebastian Mock und „Garcia“ Mona Kospach. Herrlich auch Vitus Wieser als schwerhöriger „Van Gogh“, „Gauguin“ Rafael Wieser, Johanna Handl und Ingrid Muner. Allein das Grazer „Ligne Roset“-Einrichtungshaus als Spielort ist ein Clou. Genial
Kleine Zeitung

t’eig-Theater zeigt Wolfgang Bauers „Wohin gehen wir?“ bei Ligne Roset in Graz
Im absurden Raum-Zeit-Gefüge
Im luxuriösen Rahmen des Möbelhauses Ligne Roset hat sich das t’eig-Theater Wolfgang Bauers absurdes Stück „Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?“ vorgenommen. Ein schwieriges Spiel mit Zeit und Raum, das Thomas Sobotka und sein Team mit Sinn fürs Skurrile bewältigen.

Schauplatz der seltsamen Begebenheiten ist eine noble Suite, in der von undurchsichtigen Hoteldienern zeitgleich und ohne einander wahrzunehmen acht Paare einquartiert werden. In der künstlichen Welt draußen wird der in Europa wütende Krieg mittels riesigen Lautsprechern übertragen. Drinnen herrscht Beziehungskleinkrieg.
Wolfgang Bauer hat dieses Stück 1981 in St. Ulrich im Greith verfasst, wo er im Refugium von Schriftstellerfreund Gerhard Roth viel Zeit verbracht hat. Es gehört also zu seinen späteren, kaum aufführbaren, weil sehr absurden und anspielungsreichen Arbeiten. Bei der Uraufführung in Bonn verließen die Leute reihenweise das Theater.
Das t’eig-Theater hat sich dennoch dieser Aufgabe gestellt und löst sie mehr als respektabel. Regisseur Thomas Sobotka behilft sich mit hübschen Theatertricks, lässt Frauen Männer spielen und umgekehrt, setzt auf eingesprochene Regieanweisungen und schräge Musik von Raphael Meinhart. Gemeinsam mit seinen Schauspielern Karin Gschiel und Christian Ruck, Johanna Handl und Ingrid Muner, Mona Kospach und Sebastian Mock sowie Rafael Wieser und Vitus Wieser gelingt ihm ein schräger, unterhaltsamer Abend, der Bauer als einen auch für heute spannenden Dramatiker ausweist.
Kronen Zeitung

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